PRÄZISION SPÜREN.
Bevor ich lernte, wie man Maschinen konstruiert, lernte ich, wie man sie baut – mit den eigenen Händen. Meine Karriere begann nicht in einem klimatisierten Büro, sondern an der Werkbank. Die Ausbildung zum Industriemechaniker war meine Feuertaufe in der Realität der Physik.
Hier habe ich gelernt, was „Toleranz“ wirklich bedeutet. Nicht als Zahl auf einem Papier, sondern als der Widerstand des Materials, wenn man einen Passstift eintreibt. Ich habe verstanden, dass eine Konstruktionszeichnung noch so perfekt sein kann – wenn sie montageunfreundlich ist, wird sie in der Werkstatt scheitern. Diese Jahre haben mir einen „Röntgenblick“ verliehen: Wenn ich heute auf ein CAD-Modell schaue, sehe ich nicht nur Geometrie. Ich sehe die Bewegungsabläufe des Monteurs, den Platzbedarf für das Werkzeug und die potenziellen Frustmomente bei der Wartung.
Dieses fundamentale Verständnis für das „Greifbare“ ist mein größter Vorteil als FMEA-Moderator. Wenn Fertigungsmitarbeiter in einem Workshop Bedenken äußern, nicke ich nicht nur höflich. Ich verstehe den Schmerz, weil ich selbst an der Maschine stand. Ich spreche ihre Sprache, nicht nur „Ingenieurisch“. Das schafft Vertrauen und öffnet den Zugang zu den wahren Risiken, die in keinem Lehrbuch stehen.

